Filmkritik „Last Knights“ (Blu-ray)

Veröffentlicht am 23.11.15 von Filmfreek in Filmkritik, Filmkritik J-P
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Last Knights

Last Knights


Nach „King Arthur“ greift Clive Owen nun zum zweiten Mal zum Schwert für ein recht interessantes Projekt – nicht unbedingt, was den Film, sondern eher was die Produktion generell betrifft. Kazuaki Kiriya ist ein japanischer Regisseur der mit „Last Knights“ seine gerade mal 3. Spielfilminszenierung vorlegt. Sein Erstlingswerk, sowie sein zweiter Film sind beides japanische Produktionen und nun schnuppert Kiriya mit dem Ritterspektakel erstmals Hollywood-Luft.

Den Einfluss des Regisseurs erkennen gute Beobachter unter anderem an den Schwertern der Krieger. Trotz des mittelalterlichen Settings, erinnern sie alle eher an Samurai-Schwerter als an ihre mittelalterlichen Pendants.

„Last Knights“, auch wenn es so nicht aktiv verkauft worden ist, ist ein Remake des Films „47 Ronin“ von 1941. Ein Film beziehungsweise eine Geschichte, die in der Vergangenheit schon mehrere Male für diverse Produktionen herhalten musste. Zuletzt im gleichnamigen Remake „47 Ronin“ mit Keanu Reeves, wobei hier die ursprüngliche Geschichte noch recht deutlich zu erkennen war. Bei „Last Knights“ ist bis auf die Grundidee nicht viel übrig geblieben. Die offensichtlichste Anpassung ist das Versetzen der Geschehnisse in ein mittelalterliches Setting samt Ritter, Rüstung und steinerner Festung.

Für die Ritter des 7. Ordens ist die unumstößliche Treue zu ihrem Lehnsherren ihr absoluter Lebensinhalt. In einer Welt voller Intrigen, Bestechungen und politischer Spielchen steht ihr gutmütiger und ehrlicher Lehnsherr jedoch recht alleine da. Als dieser sich dann öffentlich gegen einen Minister und gar den Kaiser selbst stellt, was große Konsequenzen nach sich zieht, scheint vor allem die Treue des Anführers zu schwanken. Stück für Stück verfällt er wieder seinen alten Lastern, die ihn immer weiter von der von Ehre erfüllten Figur wegtreiben, die er einmal war.

Deutscher Trailer zu „Last Knights – Die Ritter des 7. Ordens“

Filmkritik „Last Knights – Die Ritter des 7. Ordens“

Wir haben nun Ritter anstatt Samurai. Lehnsherren anstatt Fürsten. Schwerter anstatt…naja Schwerter eben. Was ich sagen will ist, dass, so sehr sich die beiden Filme „47 Ronin“ und „Last Knights“ auf den ersten Blick auch unterscheiden, sich bei der Geschichte selbst kaum etwas getan hat. Regisseur Kiriya versucht mit zwei großen Hollywood-Namen die bekannte Plotline komplett neu aufzurollen, ändert das Setting drastisch, aber am Ende bleibt er dann doch zu sehr an der Vorlage hängen.

Das Grundprinzip der, ihren Lehnsherren treu ergebenen, Garde funktioniert zwar in beiden Fällen, doch gibt die Geschichte alleine nicht ganz so viel Stoff her, weswegen man bei „47 Ronin“ einen Fokus auf state-of-the-art 3D Effekte und Fantasyelemente gelegt hat. Das funktioniert und ist durchaus sehenswert. Wenn man sich aber, wie bei „Last Knights“, rein auf den Kern der ursprünglichen Story fokussiert und diese dann soweit abwandelt, dass man am Ende einen mittelalterlichen Heist-Movie mit Samurai Schwertern und Keyser-Soze-Einschlägen kreiert, darf man sich nicht wundern wenn es dem Film an Reiz fehlt. Unsicher, was genau man da als Zuschauer vorgelegt bekommt, verfolg man die Geschehnisse mehr oder weniger teilnahmslos.

Schauspielerisch stellt die Produktion selbst keine sehr hohen Ansprüche. Morgan Freeman erfüllt erwartungsgemäß sein Soll und überlässt dann, nach Erfüllung seiner Pflicht, die Leinwand seinen Kollegen. Dadurch gerät sein Auftritt leider auch recht schnell wieder in Vergessenheit und mal abgesehen davon, dass die Rolle ihm auf den Leib geschrieben ist, hätte sie wahrscheinlich auch von „irgendwem“ gespielt werden können.
Im Mittelpunkt steht unser wortkarger (Anti-)Held, der mit Clive Owen ebenfalls recht gut besetzt ist, doch das Drehbuch erlaubt es nicht das Potenzial und den Tiefgang dieser Figur voll auszuschöpfen.

Ja, „Last Knights“ hat auf den ersten Blick einiges zu bieten: Action, Gefühle, Spannung, Intrigen, aber schlussendlich kam es nie zu einer richtigen Identifikation mit den Protagpnisten. Wie nicht anders zu erwarten in solch einem Film und bei der entsprechenden Story, lässt auch der ein oder andere sein Leben, doch bei keinem einzigen ist es mir wirklich nahe gegangen. Es war Teil der Geschichte. Musste halte so sein. Und war ja irgendwie auch zu erwarten.
Was problematisch ist, denn „Last Knights“ möchte nicht einfach ein „stupider“ Action-Kracher sein, sondern hat Ambitionen auch durch Hintergund, Tiefe und Emotionen zu unterhalten.

So leid es mir vor allem für Freeman und Owen tut, und ich bin ansonsten ein großer Fan der beiden, aber dies hier zählt zu ihren schlechteren Leistungen und hat somit meine Erwartungen auch nicht erfüllen können. Ich kann verstehen, wenn Leute nach dem DVD und Blu-ray Start von „Last Knights“ am 19.10.2015 zum Film greifen, aber bin mir sicher, dass jeder einzelne vom Ergebnis enttäuscht sein wird.

5 von 10 Freeks

Darsteller:
Clive Owen, Morgan Freeman, Aksel Hennie

Regie:
Kazuaki Kiriya

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