Filmkritik „Kiss the Cook“ (DVD)

Veröffentlicht am 5.11.15 von Filmfreek in Filmkritik, Filmkritik J-P
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Kiss The Cook

Kiss The Cook


Kiss the Cook“ zelebriert nicht das Essen selbst, sondern den Beruf des Kochs und das ist etwas, was es so eher selten zu sehen gibt. Klar, gibt es diverse Filme rund um das Thema Essen, die mal nahezu einem Essens-Porno gleichen („Das große Fressen“ – 1973) und dann wiederum einfach nur ein Metier bieten, um altbekannte Romanzen in einem neuen Gewand zu präsentieren („Rezept zum Verlieben“ – 2007).

Am ehesten käme vielleicht noch Pixars „Ratatouille“ an die Thematik von Jon Favreaus neustem Streifen heran: der Chef de la Cuisine und seine Leidenschaft zum Essen.

Küchenchef Casper Carl befindet sich in einer kreativen Sackgasse. Obwohl das Restaurant dank seiner Kochkünste boomt, erlaubt ihm Restaurantbesitzer Riva keine großen kulinarischen Neuerungen. Als dann noch sein ansonsten so beliebtes Menü von Food-Blogger Ramsey Michel in der Luft zerrissen wird, kommt es zum Eklat und Carl steht von einem Moment zum Anderen ohne Job da. Mit Hilfe seiner Exfrau startet er neu durch und begibt sich, begleitet von seinem Sohn und seinem engsten Freund, mit einem restaurierten Foodtruck auf eine kulinarische Reise quer durch die USA.

Deutscher Trailer zu „Kiss the Cook: So schmeckt das Leben“

Filmkritik „Kiss the Cook: So schmeckt das Leben“

Der Macher von „Iron Man“ und „Cowboys & Aliens“ kann auch anders, wie er immer wieder unter beweis stellt und das nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Mit „Kiss the Cook“ legt Multitalent Favreau ein kurzweiliges Filmvergnügen vor, dass sich irgendwo zwischen Großem Kino und kleinem Arthouse ansiedelt.
Wem die Liste an Stars noch nicht ausreicht, um diesem Film eine Chance zu geben, dem sei auf jeden Fall der Trailer ans Herz gelegt. Dieser ist in der Tat eine Art Miniversion des Films – ohne jegliche Art von leeren Versprechungen. Wer diesen also schon ansprechend findet, kann beruhigt zur DVD oder Blu-ray greifen und sich auf 114 Minuten sanfte Unterhaltung freuen.

Jon Favreau, der hier als Multitalent dient und nicht nur die Hauptrolle übernommen hat, sondern auch Regie führte und Drehbuch schrieb, inszeniert sich selbst, als wäre es für ihn ein schon lange gehegter Traum, in die Rolle des Carl Casper zu schlüpfen. Begleitet von cubanischen Klängen,dem locker leichten Flair amerikanischer Südstaaten, einer angenehmen Brise Humor, viel Gefühl und unglaublich viel Liebe zu den unterschiedlichen Esskulturen, begleiten wir den Starkoch auf seiner Selbstfindungsreise.
Das Ganze hätte theoretisch auch melancholisch werden und in einer Art motorisiertes „Into The Wild“ enden können, doch weit gefehlt.

Einziges, aber leider recht ausschlaggebendes, Manko an der gesamten Produktion ist, dass es selbst für ein Feel-Good-Movie alles zu glatt läuft. Erreicht Favreaus „Kiss the Cook“ zeitweise sogar eine Stimmung, die an eine Auto-Biografie erinnert und uns als Zuschauer glauben machen möchte, dass es dort draußen tatsächlich einen Casper Carl gibt, wird dies mit dem steten Blick durch die rosa-rote Brille souverän über den Haufen geworfen. Das ganze gipfelt in einem Hollywood-Ende wie aus dem Lehrbuch.

Neben Favreaus überzeugendem Auftritt und John Leguizamos solider Nebenrollenperformance, sind es vor allem die Gastauftritte von Dustin Hoffman, Robert Downey Jr und Oliver Platt, die immer wieder für frischen Wind sorgen und das Sahnehäubchen auf diesem filmischen Erguss bilden. Da können auch die beiden als Augenschmaus gecasteten Hollywoodschönheiten Sofía Vergara und Scarlett Johansson kaum mithalten.

Ich hätte für „Kiss the Cook“ am liebsten noch mehr Punkte vergeben, kann aber nicht über die aalglatte Storyline hinwegsehen und bekomme beim Gedanken an das Ende schon wieder chronisches „Facepalm“-Kopfschütteln. Daher ein vielleicht etwas radikal wirkender Punkteabzug, aber dennoch eine Filmempfehlung auf ganzer Linie.

Seit dem 22.10.2015 ist „Kiss the Cook“ als DVD, Blu-ray und VoD überall erhältlich.

7 von 10 Freeks

Darsteller:
Jon Favreau, John Leguizamo, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson

Regie:
Jon Favreau

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  1. Klingt nach „nice to have“, muss aber nicht unbedingt 😉 Schade, dass eigentlich ganz gute Filmideen, dann durch eine „aalglatte“ Story so verrmurkst werden… ein bißchen Ecken und Kanten würden da nicht schaden – vielleicht ist das auch der Grund, weswegen ich von „Kiss the Cook“ noch nichts gehört habe bisher ? 😀