Filmkritik ‚Drive‘ (Kino)


Während die breite Masse des deutschen Kinopublikums aktuell immer noch in “Ziemlich beste Freunde” strömt oder auch fleißig die Fortsetzung “Underworld: Awakening” unterstützt, zog es mich, zusammen mit ein paar Freunden in “Drive”.
Ich muss dazusagen, dass wir zuvor eine Liste von 5 Vorschlägen hatten, die wie folgt aussah: “The Descendants”, “The Artist”, “Ein riskanter Plan”, “Ziemlich beste Freunde” und eben “Drive”. Aufgrund einer absolut demokratischen Abstimmung fiel die Wahl am Ende auf Nicolas Winding Refns Werk mit Ryan Gosling in der Hauptrolle.

Tagsüber Stuntfahrer und Automechaniker, nachts Fluchtwagenfahrer. Lange Zeit geht dieses Doppelleben gut, doch dann steht er einer Frau in ihrer Not zur Seite und ein Coup geht auf fatale Weise schief.

Deutsche Trailer zu “Drive”
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=-PhY9nOPqLs&feature=fvsr[/youtube]

Filmkritik zu “Drive”
Als allererstes der Hinweis für diejenigen unter euch, die bisher nur den Trailer zu “Drive” kannten, der Film ist als FSK 18 eingestuft worden! Man mag es aufgrund des Trailers eigentlich kaum glauben, da dieser im Großen und Ganzen nicht den Eindruck macht, dass eine solche Einstufung nötig ist. Doch sie ist es! Definitiv!

Nicht nur die Brutalität alleine, mit welcher der Regisseur die Kinobesucher kaltschnäuzig konfrontiert, sondern vor allem der Kontrast zu den ansonsten quälend langsam zelebrierten Szenen, setzen die wenigen aber heftigen, Gewaltszenen auf ein neues Niveau.

Goslings von Natur aus eher minimalistisches Mimenspiel passt in “Drive” wie die Faust auf’s Auge. Unterstreicht es in der ersten Hälfte noch den “einsamen Wolf”- Status des Protagonisten und verleiht ihm etwas unnahbares und mysteriöses, bekommt sein steinerner Ausdruck in der zweiten Hälfte eine ganz neue Bedeutung. Selten wurde eine solch wahnsinnige Ekstase so zelebriert und erinnert stark an Christian Bales Auftritt in “American Psycho”.

“Drive” ist eine ganz besondere Art von Film. Bei der Story selbst handelt es sich nicht um die Neuerfindung des Kinos, aber die Machart ist mit nichts zu vergleichen, was man bisher gesehen hat. Erinnert die in rosa gehaltene, geschwungene Schrift und die elektronische Synthesizermusik zu Beginn des Films noch an die Action- und Krimi-Klassiker aus den 80ern, folgt der Film selbst einem ganz eigenen Stil.
“Drive” lebt von den Bildern, der Atmosphäre und der Ausstrahlung der Darsteller. Da kann es auch schon mal zu mehreren Sekunden kommen, in denen kein einziges Wort fällt.

Aus dem Stehgreif würde ich Drive als eine Kombination aus “American Psycho” und “Lost Highway” beschreiben.

Mein Problem, ich kann dem Film eigentlich nichts wirklich negatives ankreiden, denn dass was er bietet ist genau das, was man erwartet hat, wenn man sich im Vorfeld ein wenig mit “Drive” beschäftigt hat. Die finale Bewertung erfolgt also auf einem rein subjektiven Empfinden, was die Gesamtheit und den Unterhaltungswert des Films angeht. Und da trifft Nicolas Winding Refn leider nicht ganz meinen Geschmack.

Ich bin gespannt wie es bei meinen Begleitern aussieht, die mit mir im Kino waren: also her mit euren Meinungen!

5 von 10 Freeks
Darsteller:
Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Ron Perlman
Regie:
Nicolas Winding Refn

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Filmkritik 'Drive' (Kino), 8.5 out of 10 based on 17 ratings

7 Replies to “Filmkritik ‚Drive‘ (Kino)”

  1. Ich fand den Film sehr gut, auch wenn man eine ständige Vorahnung hatte. Bei den wirklich brutalen Szenen (Fahrstuhl usw) musste ich meiner Freundin die Augen zuhalten. Meiner Meinung nach, waren die Szenen garnicht so brutal, doch die Art vom Film und die Kälte von Ryan Gosling, hat es ziemlich extrem rüber gebracht. Leider fand ich die Story etwas schwach. Manchmal empfand ich es so, als ob der Regisseur versucht hat, uns über den Protagonisten Gedanken zu machen, was er vorher gemacht hat. (Bryan Cranston sagte: er kam vor 4 Jahren hier einfach an aus dem nichts und wollte einen Job…) Leider erfuhr man nicht mehr… Man erfuhr auch fast nichts von den anderen Leuten, wie der Kerl von der Ostküste, den man nur 1 mal sah und trotzdem eine wichtige Rolle hatte…

  2. Bei mir kam der Film (objektiv) um einiges besser weg. Aber ich verstehe durchaus, wenn du sagst, dass der Unterhaltungswert für dich persönlich nicht gepasst hat. Der Film ist durchaus Geschmackssache. Dafür aber einer der besseren Ausbrecher aus dem 08/15-Hollywoodgedöns.

  3. Auch ich finde das der Film etwas besonderes ist und das meine ich absolut im Guten. Die Story war einfach aber dafür war sie wundervoll inszeniert und zudem solide vermittelt.

    Mir hat besonders gut gefallen das nicht alles erklärt und einem auf die Nase gebunden wurde. Für mich war der Film wie ein Buch mit sehr ausschweifenden aber präzisen Beschreibungen dessen wie sich die Geschichte entwickelt.

    Gerade die Brutalität dieses Films empfand ich als sehr anwidernd und überflüssig. Jedoch muss ich sagen das sich meine Meinung im nach hinein um 180 Grad gedreht hat. Erst später ist mir bewusst geworden das der Protagonist so seelisch zerstört ist, das diese Handlungen und die anschließende Selbstreflektion perfekt zu seinem Charakter passen.

    Alles in Allem hat mir der Film absolut gefallen und ich würde wirklich gerne mehr Filme dieser Art sehen.

    1. Danke für die ausführliche Erläuterung! Absolut nachvollziehbar und wie so oft scheiden sich die Geister eben einfach und alleine aufgrund des persönlichen Geschmacks.

      Das „Drive“ inszeniert ist wie ein Buch, mag daran liegen, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt. Und zwar die Verfilmung eines Romans, der auch unter den Büchern durchaus speziell ist. Kann nur empfehlen, dass Fans des Films auch zum Buch greifen!

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