Die Golden Globes als Orakel für die Oscars?


In den meisten Artikeln, welche alljährlich die Nominierten und Gewinner der Golden Globe Awards thematisieren, stolperte man als Leser früher oder später über den folgenden Satz: Die Golden Globes Gewinner dürfen sich vermehrt Hoffnungen auf einen Oscar machen. So oder so ähnlich kommentieren die Autoren die Sieger in den relevanten Film-Kategorien.

Auch ich kann mich davon nicht ganz freisprechen. Als ich zuletzt die Übersicht über die Golden Globes Gewinner 2014 veröffentlicht habe, formulierte auch ich eine Variante dieser Aussage. Und genau das war der Zeitpunkt, der mich etwas stutzig machte. Ist an dieser Aussage überhaupt etwas dran? Kann ich das einfach so blind behaupten? Wie viele der Golden Globe Gewinner haben in den letzten Jahren anschließend tatsächlich einen Oscar gewonnen?
Das alles war Grund genug für mich, mir mal die Siegeslisten der Golden Globes und Academy Awards der letzten 13 Jahre herauszusuchen und zu vergleichen.

Welche Aussagen lassen nun sich tatsächlich ziehen und was bedeutet das für die Oscars 2014?

Um das zu beantworten habe ich mir die 4 wichtigsten Kategorien herausgesucht. „Bester Film“, „Bester Darsteller“, „Beste Darstellerin“ und „Beste Regie“. Da sich ein paar dieser Kategorien bei den Golden Globes nochmals in „Drama“ und „Musical/ Comedy“ aufsplitten, habe ich natürlich alle Sieger mit berücksichtigt.

Absolut uneinig sind sich die Jury der Golden Globes und die Academy was die Auszeichnung der Regisseure angeht. Gerade mal 38% Übereinstimmung gab es in den letzten 13 Jahren. Und der letzte Regisseur, der sich über beide Awards freuen durfte liegt mittlerweile auch schon 5 Jahre zurück. Damals war es Danny Boyle mit „Slumdog Millionaire“, bei dem sich alle einig waren.
Danach verpassten die Golden Globes Juroren Auszeichnungen für großartige Filme wie „The Hurt Locker“ oder „The King’s Speech“ und die Academy bevorzugte „Life of Pi“ und ließ „Argo“ leer ausgehen.

Etwas mehr Einigkeit gab es in der Kategorie „Bester Film„. Sieben Mal war man sich hier einig (54% Übereinstimmung). Zuletzt sogar zwei Jahre hintereinander mit „Argo“ und „The Artist“. In den Fällen, in denen sich die Entscheidungsträger der beiden Awards einig waren, kamen die Filme zu 71% aus der Golden Globe Kategorie „Drama“. Nur zwei Filme aus „Comedy/ Muscial“ konnten es in den letzten 13 Jahren auch zu einem Oscar bringen: „Chicago“ und „The Artist“.

Schauen wir uns die Kategorien „Beste Darsteller“ und „Beste Darstellerin“ an, bekommen die Golden Globes tatsächlich einen Vorhersagecharakter und man kann schon fast von einem Orakel sprechen. 69% Übereinstimmung bei den männlichen Darstellern und sogar 92% bei den Darstellerinnen. Hier gab es in den letzten 13 Jahren nur zwei Jahre, in denen sich die beiden Awards uneinig waren. Wobei in einem der beiden Fälle zwar die selbe Darstellerin, nämlich Kate Winslet, ausgezeichnet worden ist, jedoch für zwei unterschiedliche Filme.
Was beide Kategorien gemeinsam haben ist die Tatsache dass auch hier, wie bei „Bester Film“, die Mehrheit der Übereinstimmungen auf der „Drama“- Kategorie der Golden Globes basiert. Darbietungen in „Comedy/ Musical“ werden nur selten mit einem Oscar gewürdigt.

Hier für euch nun auch die Übersicht der Golden Globe Awards Gewinner und Oscars Gewinner der letzten 13 Jahre.

Golden Globes und Oscars Vergleich
Golden Globes und Oscars Vergleich

Die Golden Globes funktionieren also nur sehr bedingt als Orakel für die Oscars.
Vor allem die Hauptdarstellerinnen, die bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet worden sind, dürfen sich in der Tat berechtigterweise mehr Hoffnungen auf einen Goldjungen machen.

Die Prognose für die Oscars 2014

Basierend auf den oben genannten Auswertungen der letzten 13 Jahre und der aktuellen Golden Globes Gewinner, lässt sich eine Prognose für die Oscars 2014 Gewinner anstellen. Dabei sind die Vorhersagen für „Beste Regie“ und „Bester Film“ eher gewagt, während „Bester Hauptdarsteller“ und vor allem „Beste Hauptdarstellerin“ schon eine recht hohe Wahrscheinlichkeit haben.

Bester Film: 12 Years a Slave
Bester Darsteller: Matthew McConaughey (“Dallas Buyers Club”)
Beste Darstellerin: Cate Blanchett (“Blue Jasmine“)
Beste Regie: Alfonso Cuarón (“Gravity”)

Etwas korrigiert und nicht nur rein auf den oben genannten Zahlen basierend, würde ich jedoch folgende persönliche Prognose abgeben.

Bester Film: 12 Years a Slave
Bester Darsteller: Leonardo DiCaprio (“The Wolf of Wall Street”)
Beste Darstellerin: Amy Adams (American Hustle“)
Beste Regie: Alfonso Cuarón (“Gravity”)

2 Replies to “Die Golden Globes als Orakel für die Oscars?”

  1. Vermutlich will die HFPA, dass sie als große Oscar-Propheten gesehen wird. Aber allein die Tatsache, dass dort knapp 100 Auslandsjournalisten abstimmen, zeigt im Grunde genommen ihre Relevanz (so sehr ich die Globes mag). Ich sehe sie vor allem als Indikator, welche Filme wahrgenommen wurden. Und bei den Regisseuren sind die DGA-Awards der bessere Indikator. Dort gibt es zwar große Unterschiede bei den Nominierten, aber bei den Gewinnern nur sieben Mal in 65 Jahren.

    1. Guter ergänzender Kommentar!
      Definitiv haben die Globes einen größeren Schwerpunkt auf Nicht-US-Produktionen als die Oscars.
      Die Show an sich, ist durchaus unterhaltsam, aber die Relevanz und Bedeutung der Trophäen hat in den letzten Jahren stark nachgelassen.
      Guter Hinweis mit den DGA Awards. Hier ist die Orakel-Fähigkeit um einiges präsenter;)

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